Aus dem aktuellen Vereinsleben und zu den laufenden sowie geplanten Aktivitäten wollen wir kurz wie folgt informieren:

Mitgliederversammlung 2021

Die wegen der Corona-Pandemie ausgefallene Mitgliederversammlung mit Neuwahl des gesamten Vorstands war für November/Dezember 2021 geplant. Aufgrund der aktuellen Infektionszahlen kann sie vermutlich nicht vor Februar 2022 stattfinden.

Rolf Lutz, 2. Vorsitzender

Veranstaltungen im 4.Quartal 2021

Ein interessanter Nachmittag – bei den Römern in Ottmarsheim

Der Vortrag des Historikers Frank Merkle vom 26. 9.2021 zum Thema „Das römische Ottmarsheim und seine Einbettung in die römische Infrastruktur im Umfeld Walheim“ wurde durch eine Führung auf der Ottmarsheimer Höhe am 26.10.2021 ergänzt.

Frank Merkle erläutert das Mithräum Ottmarsheimer Höhe (Foto: R.Lutz)

Man traf sich bei dem mit einer Überdachung geschützten Keller des ehemaligen römischen Gutshofes. Rund 15 Gäste und Vereinsmitglieder waren gekommen, um sich von Herrn Merkle die römische Architektur und Funktion des Kellerraumes erklären zu lassen.  Dabei erfuhren wir, dass in dem flach gedeckten Keller in erster Linie Wein und Olivenöl gelagert wurden, Produkte aus Südfrankreich. Umschlagplatz für nahezu alle Güter für den Südwesten war Massilia (Marseille) und auf dem Wasserweg gelangten die Waren in unseren Raum. Überhaupt waren die günstigsten Transportwege in dieser Zeit die Wasserwege. Man zog beispielsweise diese Schiffe, auf denen man große Mengen transportieren konnte, auf dem Neckar an die Mündung der Murr, lud auf kleinere Boote um und setzte den Weg auf der Murr oder Bottwar bis zum Zielort fort.

Auf dem Boden des römischen Kellers fand sich in einer Ecke eine dicke Sandschicht. Dort konnte man die mit Wein oder Oliven gefüllten spitzen Amphoren sicher aufstellen, hatten sie doch in dem aufgetragenen Sand guten Halt.

Sehr interessant war der beschriebene Alltag der Siedler, deren Berufe Handwerker, Händler, Gutsbesitzer oder Bauern waren. Sie lebten auf der Ottmarsheimer Höhe in einer von ca. 50 Soldaten geschützten Siedlung. Diese Siedlung, von deren Existenz man wusste, wurde durch eine Notgrabung in Teilen erschlossen. Anlass war die geplante Ansiedlung von Industriebetrieben. Wir dürfen auf weitere, heute noch im Boden verborgene Überraschungen hoffen.

Der Boden der Ottmarsheimer Höhe besteht aus angewehtem Löss, fruchtbarer Untergrund für die Äcker und Wiesen der Siedlung, geradezu ideal für die Landwirtschaft. Der Vortrag beschäftigte sich außerdem mit dem Obst- und Gemüseanbau jener Zeit und dem Anbau von Oliven. Für die meisten Zuhörer war neu, dass unsere Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen und Pfirsiche aus dem Mittelmeerraum stammen. Man kannte die Getreidesorten Dinkel, Hirse, und Gerste. Fürs spätere Epochen wurde in größerem Umfang Weizen, Roggen, Hafer und Emmer nachgewiesen.

Etwa ab 230 n. Chr. wurde der Druck der Alemannen, die von Osten kommend ins Römische Reich hereindrängten, groß und es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Wahrscheinlich brannte mit anderem der Gutshof zu dieser Zeit ab, die römischen Siedler verließen das Land und zogen sich nach Westen hinter den Rhein zurück. Um 260 n. Chr. wurde dann das rechtsrheinische Gebiet von den Römern aufgegeben, und die Reichsgrenze wurde hinter den Rhein und die Donau zurückverlegt.

Etwa 100 Meter vom Gutshof entfernt liegen die Reste eines Mithrastempels (Mithräum). Von dem Tempel sieht man nur noch Grundmauern, die man nach seiner Entdeckung im Jahr 1989 für das Publikum sichtbar erneuert hat.  Der Tempel war ein Heiligtum des Gottes Mithras und der Mithraskult unterschied sich von der römischen Religion durch seinen Erlösungsgedanken.

Die nahezu zwei Stunden dauernde Führung in der milden Herbstsonne war mit Informationen dicht bepackt. Wir werden uns bemühen, auch in 2022 unseren Mitgliedern und Gästen weitere derartig interessante Führungen anzubieten.

Ulf Hohenacker



Mitgliederinformation

Liebe Vereinsmitglieder,

wie Sie wissen, wollen wir unserem Verein neue Impulse geben. Dazu gehört auch, dass wir unsere Vereinsarbeit transparenter machen. Deshalb haben wir ein Informationsblatt geschaffen, das es uns erlaubt, ohne viel Aufwand Sie in unregelmäßigen Abständen über Neuigkeiten im Verein, über Vorhaben und Termine zu informieren.

Alle Mitglieder, die ohne eine E-Mail-Adresse sind, bekommen diese Informationsschriften vierteljährlich gesammelt zugesandt.

Und darüber wollen wir Sie zusätzlich informieren:

Aus der Vereinsarbeit

Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende zu. Vieles war geplant, aber nur wenig ließ sich realisieren. Aktuell geht es darum, die ersten Veranstaltungen für 2022 festzuzurren. Sobald konkrete Planungen vorliegen, wird an dieser Stelle berichtet werden.

Im Jahr 2018 hatten sich einige Arbeitskreise gebildet (Kleindenkmale, Burgen, Landgraben). Nach der Mitgliederversammlung sollen sie neu belebt werden.


Für Sie nachgeschlagen

Beim Durchblättern der „Geschichtsblätter aus dem Bottwartal“ fiel mir ein interessanter Aufsatz von Ernst Schedler in die Hände, in dem er in einfachen, verständlichen Worten den gotischen Baustil der Annakirche in Beilstein beschreibt.

An diesem Beispiel stellt er sachlich und kenntnisreich das Wesen der Gotik vor:

Ein Baustil zum Lobe Gottes.

Er beschreibt zunächst das kunstvolle Maßwerk der Fenster, das mit Knotenschnur und Zirkel vom Steinmetz konstruiert und geformt wurde, er spricht über die gotischen Portale, den Chor mit seinem Triumphbogen und schließt mit dem letzten erhaltenen Weihekreuz der Kirche ab.

Wir erfahren, wie stark das Neue Testament in der gotischen Ausformung der St.Annakirche sichtbar wird: „Noch heute ist der Kirchenbau sichtbares Evangelium“.

Es ist eine sorgfältige, kunsthistorische Führung, bei der man viele Botschaften, die von dieser Architektur ausgehen, verstehen lernt. Der Aufsatz ist sicher ein guter Einstieg, um sich mit dieser Baukunst engagiert zu beschäftigen, z. B. bei einem Urlaub in Frankreich.

Quelle: Ernst Schedler, „Gotische Bau- und Zierformen der Sankt-Anna-Kirche in Beilstein“ in: Geschichtsblätter aus dem Bottwartal, Band 12, S.182f

Ulf Hohenacker