Aus dem aktuellen Vereinsleben und zu den laufenden sowie geplanten Aktivitäten wollen wir kurz wie folgt informieren:

Heraldik – mehr als bunte Bildchen!

Gelungener Vortrag zur Wappenkunde

Von der Kennzeichnung der Kämpfer im mittelalterlichen Schlachtgetümmel bis zu Gemeindewappen und Firmenlogos ist Heraldik eine lebendiges System der bildhaften Kommunikation, das Geschichten von Herkunft und Identität erzählt.

Beginnend von den Anfängen als Schildschmuck und über adlige Embleme bis zu modernen Signets führte Rolf Lutz am 24.3.2026 in einem gut gegliederten Vortrag durch die Welt der Heraldik. Neben zahlreichen Beispielen erläuterte er nicht nur den Aufbau und die Systematitk von Wappen, sondern auch die Symbolik der Wappenelemente. Bekannt und trotzdem interessant für das Publikum waren natürlich die „redenden Wappen“ der Bottwartalgemeinden.

Rolf Lutz erläutert den Aufbau eines Wappens. (Foto: D.Rupp)

Mitgliederversammlung am 24.2.2026

Erfolgreiche Hauptversammlung des Historischen Vereins Bottwartal

Das Totenglöcklein, das unlängst in der Lokalpresse für den Historischen Verein Bottwartal geläutet wurde, ist fürs erste verstummt. Aber der Reihe nach: In der Tat fehlte es unserem Verein, der sich um das historische Bewusstsein der  vier Bottwartalkommunen kümmert, in den letzten Jahren an aktiven Mitgliedern in der Vorstandschaft. Dass es vielen Vereinen genauso geht, ist mittlerweile keine Neuigkeit mehr, im Einzelfall aber auch kein Trost. Andererseits interessieren sich viele Menschen für die Geschichte ihrer Wohnumgebung. Dies beweisen auch die meist gut besuchten Vorträge und Exkursionen, die der Verein in den letzten Jahren anbieten konnte. Zentraler Punkt der Vereinsarbeit sind die Geschichtsblätter aus dem Bottwartal, jeweils Sammlungen von Aufsätzen zur Regionalgeschichte. Trotz der dünnen Personaldecke sind mittlerweile 14 Bände erschienen. Gedrucktes Wissen auf Papier – nach wie vor der Standard, aber mit Blick auf die Generation der unter 40-jährigen vielleicht nicht das Richtige um neue Mitglieder zu werben. Probiert es doch mal mit Social Media! lautete die Anmerkung eines Mitglieds. Und tatsächlich: der Verein schürft und sichert historisches Wissen – es auch jüngeren Leuten in deren Medienumfeld nahezubringen wurde bisher wohl versäumt und ist die Aufgabe der Zukunft.

Zukunft versprechen auch die Wahlen zum Vorstand. Denn mit Sandra Perlinger, Michael Schreiber und Christoph Seeger stellten sich drei Mitglieder neu zur Wahl in das Vorstandsgremium zur Verfügung. Sie verstärken die bisherige Dreiergruppe von Rolf Lutz, Hans-Wolfgang Bock und Dietmar Rupp. Wenngleich die Position des 1. Vorsitzenden nicht besetzt werden konnte, sind doch alle zentralen Funktionen (2. Vorsitzender, Kassier, Schriftführung, Beisitz) abgedeckt. 

Der eigentliche Höhepunkt der Versammlung galt jedoch einem Urgestein des Vereins. Hans Dietl, der im letzten Jahr seinen 90. Geburtstag feierte, zählt zu den Gründungsmitgliedern des Historischen Vereins und hat diesen jahrzehntelang mit Rat und Tat unterstützt. Zu den bisher erschienen 14 Bänden der Geschichtsblätter aus dem Bottwartal hat allein er mit 24 Aufsätzen beigetragen. Lange Zeit war er ehrenamtlicher

Ehrenmitglied Hans Dietl mit dem 2. Vorsitzenden Rolf Lutz (Foto: D.Rupp)

Heimatpfleger seiner Heimatstadt Steinheim und hat damit fast im Alleingang ein Viertel der Bottwartaler Heimatgeschichte abgedeckt. Somit war es klar, dass der Vorschlag des Versammlungsleiters Rolf Lutz auf fruchtbaren Boden fiel und die anwesenden Mitglieder Hans Dietl einstimmig zum Ehrenmitglied ernannten. Ein Hans Dietl wird sich aber nicht auf der Ehrenmitgliedschaft ausruhen: für den geplanten Band 15 der Geschichtsblätter hat er schon seinen Text abgeliefert…

Geehrt für 25-jährige Mitgliedschaft wurden Arlette Sayag, Dorothee und Waldemar Eberhardt sowie Dieter Müller. Auf stolze 40 Jahre Mitgliedschaft kann Martin Obenland zurückschauen.

Matern Feuerbacher und Dietrich von Weiler – Vortrag auf Burg Lichtenberg

Für Geschichtsfreunde boten die zurückliegenden Monate vielfältige Informationen zum „Uffrur“ vor 500 Jahren, dem Bauernkrieg. Auch das Bottwartal war Schauplatz wichtiger Ereignisse – und es war Heimat zweier Persönlichkeiten, denen in den damaligen Geschehnissen tragende und tragische Rollen zufielen. Über Ursache und Verlauf des Bauernkriegs, aber insbesondere über den „Großbottwarer Bauernführer Matern Feuerbacher und den Niederadligen Dietrich von Weiler auf Lichtenberg“ berichtete Hans-Wolfgang Bock in einem Vortrag am 22. Oktober. Als Vortragsort wurde passend die Dürnitz der Burg Lichtenberg in Oberstenfeld gewählt. Nicht zuletzt war die Burg Wohn- und Amtssitz des in Weinsberg umgekommenen Obervogts von Großbottwar und Beilstein, Dietrich von Weiler. Dass die Burg Lichtenberg im Bauernkrieg nicht zerstört wurde, ist mit Sicherheit dem Schutzbrief zu verdanken, den Feuerbacher für die Witwe des Obervogts ausstellte. Auf den gut besuchten Vortrag folgte ein angeregter Gedankenaustausch, der sich vom Bauernkrieg über die Familiengeschichte derer von Weiler bis zu den Malereien der Burgkapelle spannte.


Hans-Wolfgang Bock erläuterte Hintergründe und Verlauf der Ereignisse von 1525 (Foto: D.Rupp)

Trotz Stau: Erfolgreiche Tagesexkursion nach Oberschwaben

Die Lok 99651 (die „Steinheimer“) und die Exkursionsteilnehmer trotzen dem Wetter (Foto: W.Berner)

An einer Exkursion des Historischen Vereins für Stadt und Kreis Ludwigsburg e.V. war der Historische Verein Bottwartal e.V. als Kooperationspartner beteiligt. Die Fahrt nach Oberschwaben am 14. September galt gleich zwei Höhepunkten – der Großen Landesausstellung des Landesmuseums Württemberg im Kloster Schussenried zum Bauernkrieg (UFFRUR! Utopie und Widerstand im Bauernkrieg 1524/25) und der Öchsle-Schmalspurbahn. Wenn auch der Verkehrstau bei der Hinfahrt den Zeitplan gehörig durcheinanderwirbelte, brachte der Tag den Teilnehmern dennoch neue und interessante Einblicke.

Zu verdanken ist dies der guten Vorbereitung durch das Kreisarchiv Ludwigsburg und vor allem der spontanen Optimierung des Programms durch Herrn Wolfram Berner als Reiseleiter.

Hierfür vielen Dank!

die Exkursion: → siehe Flyer

Weinchronik in Beilstein fortgeschrieben

Die im Jahr 1694 begonnene Beilsteiner Weinchronik hat einen weiteren Jahrgang aufgenommen. Über die weinhistorisch-heimatkundliche Veranstaltung mit Eintragung des Jahrgangs 2024 am 29.11.2024 berichtet Hans-Wolfang Bock: => zum Text

Barbarossa kam ins Bottwartal

Gut besucht war am 14. November 2024 der Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Fritz auf der Burg Lichtenberg. In der voll besetzten Dürnitz hörten über 50 Gäste seine Ausführungen zum Leben und der Epoche von Friedrich I. Barbarossa. Der Staufer zählte zu den bedeutendsten Herrschern der deutschen Geschichte. Geboren wurde er vor 900 Jahren. Als König und Kaiser wurde er zur Legende. 

Bei der Veranstaltung wurde zudem ein Comic des Grafikers Heinz Renz vorgestellt, der in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Fritz entstand. Für die Qualität des 64-seitigen, reich bebilderten Werks sprach, dass alle an dem Abend verfügbaren Exemplare verkauft wurden.

Denk mal, Bottwartalbahn! Über die Erinnerungskultur rund um die einstige Schmalspurbahn von Marbach über Beilstein nach Heilbronn

Mit diesem Thema war der Ludwigsburger Kreisarchivar Wolfram Berner am 21. Oktober 2024 beim Historischen Verein Bottwartal zu Gast. Im vollbesetzten kleinen Bürgersaal in Steinheim berichtete er über das Ab- und Nachleben der ehemaligen Schmalspurbahn.

In Kunst und Kultur sowie im Modellbau war und ist die Bottwartalbahn ein gern genutztes Motiv und Vorbild. Auch Relikte der Bahn werden nicht nur im Bottwartal teilweise betriebsfähig vorgehalten. Vor 45 Bahnenthusiasten besprach der Referent die vielfältigen Formen der Erinnerungskultur rund um die Bottwartalbahn. Der besondere Anteil des Modellbaus wurde klar, als man nach dem Vortrag das originalgetreue Modell des Steinheimer Bahnhofs inklusive Rollschemelumsetzanlage bestaunen durfte. 50 Jahre nachdem im Bottwartal ein Schmalspurzug letztmals auf der Gesamtstrecke verkehrte, ist die Erinnerung an die einstige staatliche Lokalbahn weiterhin präsent. Seit einigen Jahren erfährt sie frischen Wind durch die Initiative „Bürgeraktion Bottwartalbahn“.

Wolfram Berner beim Vortrag. (Bild: Symbolhaft für die Erinnerungskultur sind etwa die Fernsehaufnahmen des ZDF im Jahr 1966 in Beilstein. Foto: Scheuber, Slg. Kreisarchiv Ludwigsburg)

Neue Aufsätze unter der Rubrik „Lesenswert“

Unter der Rubrik „Lesenswert“ findet sich ein lose Sammlung von Aufsätzen zur Geschichte des Bottwartals. Aktuell gibt es Berichte zu einem Vortrag über Familiengeschichte, zur Exkursion nach Lorch, zu Vorträgen über die Weinbaulandschaft und die Spuren der Stauferzeit in unserer Region. →“Lesenswert“

Band 14 ist da!

Wie seine Vorgänger bietet auch der aktuelle Band 14 einen bunten Strauß von Aufsätzen zur Kunst-, Siedlungs- und Ortsgeschichte des Bottwartals. Es geht dabei um römische Gutshöfe, Baudenkmäler, bedeutende Personen, geheimnisvolle Inschriften oder Kirchenglocken

Sie wollen wissen, wo Esel, Füchse, Bobalesdrescher oder Mardelbatscher wohnen? Mit reizvollen Darstellungen und aufschlussreichen Texten hat das Büchlein auch darauf eine Antwort.

Ein Leckerbissen nicht nur für Eisenbahnfans sind historische Stadtansichten Beilsteins.

Band 14 der Geschichtsblätter aus dem Bottwartal (132 Seiten, 127 Abbildungen) kostet 15 Euro .

Erhältlich ist Band 14 in den Bürgerbüros in den Rathäusern der Bottwartalgemeinden und bei Schreibwaren-Reiss in Beilstein.

Ernst Schedler kurz nach seinem 100. Geburtstag verstorben

Noch Anfang Dezember 2021 konnte unser langjähriges Vereinsmitglied Ernst Schedler seinen 100. Geburtstag feiern. Der Oberstenfelder war das Urgestein der Heimatgeschichte im Bottwartal. Bei 11 Ausgaben der mittlerweile 13 Bände umfassenden Veröffentlichungsreihe des Historischen Vereins hat er mitgewirkt. Aus seiner Feder stammen Darstellungen des dörflichen Lebens in früherer Zeit, kunstgeschichtliche Aufsätze oder Biographien. Einen Schwerpunkt seiner Arbeiten bildet das Oberstenfelder Stift und dessen Umfeld. Über viele Jahre war er ein gern gehörter Vortragsredner sowie ein kundiger Begleiter für Besucher der Stiftskirche und der Peterskirche. Auch sein eigenes Leben und seine Erfahrungen sind ein Stück Zeitgeschichte. Lesen Sie hierzu den Bericht der Marbacher Zeitung vom 7.12.2021: Zum Artikel

Veranstaltungen im 4.Quartal 2021

Ein interessanter Nachmittag – bei den Römern in Ottmarsheim

Der Vortrag des Historikers Frank Merkle vom 26. 9.2021 zum Thema „Das römische Ottmarsheim und seine Einbettung in die römische Infrastruktur im Umfeld Walheim“ wurde durch eine Führung auf der Ottmarsheimer Höhe am 26.10.2021 ergänzt. Man traf sich bei dem mit einer Überdachung geschützten Keller des ehemaligen römischen Gutshofes. Rund 15 Gäste und Mitglieder hatten teilgenommen. Sehr interessant war der beschriebene Alltag der Siedler, deren Berufe Handwerker, Händler, Gutsbesitzer oder Bauern waren. Sie lebten auf der Ottmarsheimer Höhe in einer von ca. 50 Soldaten geschützten Siedlung.

Diese Siedlung, von deren Existenz man wusste, wurde durch eine Notgrabung in Teilen erschlossen. Anlass war die geplante Ansiedlung von Industriebetrieben. Wir dürfen auf weitere, heute noch im Boden verborgene Überraschungen hoffen.

Der Boden der Ottmarsheimer Höhe besteht aus angewehtem Löss, fruchtbarer Untergrund für die Äcker und Wiesen der Siedlung, geradezu ideal für die Landwirtschaft. Der Vortrag beschäftigte sich außerdem mit dem Obst- und Gemüseanbau jener Zeit und dem Anbau von Oliven. Für die meisten Zuhörer war neu, dass unsere Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen und Pfirsiche aus dem Mittelmeerraum stammen. Man kannte die Getreidesorten Dinkel, Hirse, und Gerste. Fürs spätere Epochen wurde in größerem Umfang Weizen, Roggen, Hafer und Emmer nachgewiesen.

Etwa ab 230 n. Chr. wurde der Druck der Alemannen, die von Osten kommend ins Römische Reich hereindrängten, groß und es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Wahrscheinlich brannte mit anderem der Gutshof zu dieser Zeit ab, die römischen Siedler verließen das Land und zogen sich nach Westen hinter den Rhein zurück. Um 260 n. Chr. wurde dann das rechtsrheinische Gebiet von den Römern aufgegeben, und die Reichsgrenze wurde hinter den Rhein und die Donau zurückverlegt.

Etwa 100 Meter vom Gutshof entfernt liegen die Reste eines Mithrastempels (Mithräum). Von dem Tempel sieht man nur noch Grundmauern, die man nach seiner Entdeckung im Jahr 1989 für das Publikum sichtbar erneuert hat.  Der Tempel war ein Heiligtum des Gottes Mithras und der Mithraskult unterschied sich von der römischen Religion durch seinen Erlösungsgedanken.

Die nahezu zwei Stunden dauernde Führung in der milden Herbstsonne war mit Informationen dicht bepackt.

Ulf Hohenacker



Mitgliederinformation

Liebe Vereinsmitglieder,

wie Sie wissen, wollen wir unserem Verein neue Impulse geben. Dazu gehört auch, dass wir unsere Vereinsarbeit transparenter machen. Seit langem gibt es für Mitglieder „Umschau & Interna“. Dieses Informationsblatt soll in neuer Form ohne viel Aufwand über Neuigkeiten im Verein, über Vorhaben und Termine zu informieren.

Alle Mitglieder, die ohne eine E-Mail-Adresse sind, bekommen diese Informationsschriften vierteljährlich gesammelt zugesandt.

Und darüber wollen wir Sie zusätzlich informieren:


Für Sie nachgeschlagen

Beim Durchblättern der „Geschichtsblätter aus dem Bottwartal“ fiel mir ein interessanter Aufsatz von Ernst Schedler in die Hände, in dem er in einfachen, verständlichen Worten den gotischen Baustil der Annakirche in Beilstein beschreibt.

An diesem Beispiel stellt er sachlich und kenntnisreich das Wesen der Gotik vor:

Ein Baustil zum Lobe Gottes.

Er beschreibt zunächst das kunstvolle Maßwerk der Fenster, das mit Knotenschnur und Zirkel vom Steinmetz konstruiert und geformt wurde, er spricht über die gotischen Portale, den Chor mit seinem Triumphbogen und schließt mit dem letzten erhaltenen Weihekreuz der Kirche ab.

Wir erfahren, wie stark das Neue Testament in der gotischen Ausformung der St.Annakirche sichtbar wird: „Noch heute ist der Kirchenbau sichtbares Evangelium“.

Es ist eine sorgfältige, kunsthistorische Führung, bei der man viele Botschaften, die von dieser Architektur ausgehen, verstehen lernt. Der Aufsatz ist sicher ein guter Einstieg, um sich mit dieser Baukunst engagiert zu beschäftigen, z. B. bei einem Urlaub in Frankreich.

Quelle: Ernst Schedler, „Gotische Bau- und Zierformen der Sankt-Anna-Kirche in Beilstein“ in: Geschichtsblätter aus dem Bottwartal, Band 12, S.182f

Ulf Hohenacker